Stille spricht, wenn Worte fehlen

14. Mai 2019

Frankfurt. 7. Frankfurter Palliativtag im St. Elisabethen-Krankenhaus

„Stille spricht, wenn Worte fehlen.“ Mit diesen Worten wurde am Samstag, 4. Mai 2019, im St. Elisabethen-Krankenhaus der 7. Frankfurter Palliativtag von Prof. Dr. Andrea Riphaus eröffnet. Das Thema der Fortbildungsveranstaltung lautete „Sprachlos“. Denn oft ist es die Sprachlosigkeit, der das multiprofessionelle Team der Palliativmedizin bei Patienten und Angehörigen begegnet.

Wie kann man mit der Sprachlosigkeit umgehen? Unter dieses Motto haben vier Kliniken den diesjährigen Frankfurter Palliativtag gestellt. Neben dem St. Elisabethen-Krankenhaus gehören das Universitätsklinikum Frankfurt, das Agaplesion Markus Krankenhaus sowie das Krankenhaus Nordwest dazu. Die Veranstaltung stand unter der wissenschaftlichen Leitung von Beate Blasius, leitende Oberärztin der Palliativmedizin am St. Elisabethen-Krankenhaus.

Dr. Christine Barth eröffnete die Veranstaltung mit einem Vortrag über die medizinische Wiederherstellung der Stimmlosigkeit, zum Beispiel nach Kehlkopferkrankungen. „Der Verlust der Stimme bedeutet einen großen Verlust an Lebensqualität“, sagte Dr. Christine Barth zu Beginn ihres Vortrags Stimmrehabilitation nach Tracheotomie. Stummheit stehe nach Blindheit und Taubheit an dritter Stelle hinsichtlich der Minderung der Lebensqualität. „Mit individuell angepassten Hilfsmitteln (Sprechkanülen) nach einer Tracheotomie gelingt es uns, Menschen durch die Wiedererlangung der Sprache am sozialen Leben wieder teilhaben zu lassen“, sagte Dr. Barth. Dies hat sie anhand vieler Beispiele, anatomischer Bilder und eines Videos zum komplexen Vorgang der Stimmbildung, durch Erläuterung der OP-Technik bis zur Vorstellung verschiedener Trachealkanülen anschaulich dargestellt.

Nach diesem medizinisch-organischen Aspekt des Stimmverlustes widmete sich der Palliativtag weiteren Problemen, die einem die Stimme versagen lassen. Hier kann Palliativ-Care in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Berufsgruppen viel bewirken.

So wurde im folgenden Fachvortrag Frühintegration von Palliativmedizin – Die Sprachlosigkeit überwinden von Dr. Sabine Mousset, leitende Ärztin der Palliativmedizin am Agaplesion Markus Krankenhaus, dargelegt, dass durch eine frühe palliativmedizinische Begleitung die Lebensqualität deutlich verbessert werden kann. „Das belegen zahlreiche Studien“, sagte Dr. Sabine Mousset. Auch kann durch frühe Gespräche ein Überlebensvorteil – vergleichbar mit Chemotherapien – erreicht werden. Leider ist die palliativmedizinische Frühintegration von den Krankenkassen nicht anerkannt“, sagte Dr. Sabine Mousset. „Patienten, mit denen einfühlsam, aber klar gesprochen wird, zeigen weniger Depressivität“, so Dr. Sabine Mousset. Nur durch Kommunikation könne die Sprachlosigkeit überwunden werden.

Fazit: Die Frühintegration von Palliativmedizin müsse mit der Erstdiagnose der malignen Erkrankung beginnen – auch wenn rund 80 Prozent der Erkrankten geheilt und viele langjährige Verläufe bei einigen Tumorerkrankungen erreicht werden können.

Nach den Vorträgen konnten sich die rund 80 Teilnehmer auf fünf Workshops verteilen und dort im kleinen Kreis praktisch erfahren, wie mit den verschiedenen therapeutischen Ansätzen eine andere Art der Kommunikation ermöglicht werden kann.

 

  • Gerda Zembrod vom Agaplesion Markus Krankenhaus bot den Workshop „Atemtherapie“ mit dem Thema „Berühren, wenn ich sprachlos bin“ an.

  • Lia Thoma vom St. Elisabethen-Krankenhaus zeigte, was die Logopädie leisten kann, wenn das Sprechen Unterstützung braucht.

  • „Resonanz finden – berührende Klänge – letzte Lieder“ lautete der Titel des musiktherapeutischen Workshops von Alexa Klockenbusch, Universitätsklinikum Frankfurt, und Martina Spies-Gehrig, St. Elisabethen-Krankenhaus. Dazu hatten sie zahlreiche Instrumente mitgebracht.

  • Die Kunsttherapeutinnen Beate Stein, Universitätsklinikum Frankfurt, und Marisa Grundmann, St. Elisabethen-Krankenhaus, hatten für ihre Kursteilnehmer Farbstifte, bunte Kreide, Papierrollen und Scheren mitgebracht. Der treffende Titel des Workshops Kunsttherapie lautete: Sprachlos – bildmächtig.

  • Was die Tiergestützte Therapie bewirken kann, dass zeigten die Assistenzhunde von VITA e. V., die auf der Palliativstation des Krankenhauses Nordwest den Menschen in ihren schweren letzten Stunden treu zur Seite stehen. Der Workshop wurde geleitet von Heide-Marie Jungbluth, Koordinatorin des Palliativ- und Hospizdienstes am Krankenhaus Nordwest, und Dr. Karolina Maria Wiedemann, Oberärztin stationäre Palliativmediziin am Krankenhaus Nordwest. Die beiden Therapiehunde wurden von Maria Dahinten und Anne Wittmann betreut und begleitet.

Nach den Workshops und einem stärkenden Mittagessen gelang es Martin Krause, Onkologie-Fachkrankenpfleger am St. Elisabethen-Krankenhaus, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. „Vom Suchen und Finden der Sprache in schwerer Krankheit“ lautete sein Vortragstitel. Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit in der Palliativ-Care gelingt es Martin Krause in seinen packenden Reden immer wieder, die Zuhörer an seinen Erfahrungen mit Menschen, denen am Ende ihres Lebens die Sprache versagt, teilhaben zu lassen.


Bildtext: 

Das ist das Team, das den 7. Frankfurter Palliativtag im St. Elisabethen-Krankenhaus durchgeführt hat: (v.l.n.r.) Dr. Thomas Kramer, Universitätsklinikum Frankfurt; Prof. Dr. Andrea Riphaus und Beate Blasius, beide St. Elisabethen-Krankenhaus; Dr. Karolina Wiedemann, Krankenhaus Nordwest; Dr. Sabine Mousset und Dr. Angelika Berg, beide Agaplesion Markus Krankenhaus; Irmgard Encke, St. Elisabethen-Krankenhaus



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